Gewalt und aktive Gewaltfreiheit

Die menschliche Existenz ist offen zur Welt hin und wirkt in ihr mit Absicht. Sie kann die Welt ablehnen (genauso wie den Körper, die Natur und/oder die Gesellschaft) oder sie vermenschlichen. Aus dieser Freiheit heraus trifft der Mensch die Wahl, die sozialen Bedingungen, in die er hineingeboren wurde, in denen er aufwächst und stirbt zu akzeptieren oder abzulehnen.

Alle Formen der Gewalt manifestieren sich als eine Verneinung der Absichtlichkeit des anderen Menschen (und somit auch als Verneinung seiner Freiheit), als eine Handlung die den Menschen oder menschliche Gruppen unterwirft und in eine natürliche Welt einordnet.

Diese Verdinglichung erlaubt einer Gruppe einer anderen Gruppe ihr Recht auf eine Wahl, auf Glück und schließlich das Leben zu rauben, Diese Freiheit erlaubt schließlich auch einer Minderheit, sich durch eine gewalttätige Konzentration von Reichtum und Ressourcen des sozialen Ganzen zu bemächtigen.

Das sozioökonomische System, die internationalen Beziehungen und existenziellen Regeln sind somit auf der Grundlage von Gewalt organisiert, die wir meist als normal erachten, obwohl uns Schmerz und Leiden persönlicher und sozialer Art die Notwendigkeit einer Veränderung dieses Systems aufzeigen.

In der Frühzeit nahezu aller Kulturen und Religionen taucht Gewaltfreiheit als Ausdruck eines humanistischsten Momentes, z. B. als die Goldene Regel auf, die im Grundsatz der Gültigen Handlung lautet: "Wenn Du andere so behandelst, wie Du selbst behandelt werden möchtest, befreist Du Dich". (1)

Ausgehend von solchen Erfahrungen hat sich die Gewaltfreiheit zur Aktionsmethode entwickelt. Anklagen, Ziviler Ungehorsam, Streiks, Proteste, Demonstrationen, persönliche und gesellschaftliche Boykotts und grundlegend die Aktionen, die an verschiedenen Punkten gleichzeitig stattfinden sind die Hauptwerkzeuge der Gewaltfreiheit heute.

Von den Bewegungen gegen die Sklaverei und Kolonialisierung, über Bürgerrechtsbewegungen ethnischer Minderheiten, Arbeiter und Frauen, bis hin zur Opposition gegen totalitäre Regimes und gegen die Aufrüstung, insbesondere der atomaren, stellt die aktive Gewaltfreiheit die einzige Aktionsmethode dar, die in sich selbst kohärent mit den eigenen Zielen ist.Der Neue Humanismus hat sich seit seinen Anfängen nicht mit einzelnen Konflikten beschäftigt, sondern mit der Schaffung eines weltweiten Systems, einer umfassenden Veränderung der Eigenschaften der Welt, in der wir leben.

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1) Silo. Die Erde menschlich machen
Solange es dem Menschen nicht möglich ist eine menschliche Gesellschaft zu verwirklichen, eine Gesellschaft, in der die Macht bei der gesellschaftlichen Gesamtheit und nicht nur bei einem Teil davon liegt (der die Gesamtheit unterjocht und verdinglicht), solange wird das gesellschaftliche Handeln von Gewalt geprägt sein.

Deshalb muss beim Thema Gewalt auch die institutionelle Welt erwähnt werden und wenn wir diesem System in einem gewaltfreien Kampf gegenüber treten, müssen wir als erstes klar stellen, dass eine gewaltfreie Haltung gewaltfrei ist, weil sie keine Gewalt toleriert.Es geht nicht darum, eine bestimmte Art des Kampfes zu rechtfertigen, eher darum, die Bedingungen der Gewalt zu definieren, die dieses unmenschliche System aufzwingt.

Zum Abschluss können wir die ersten Worte des "Humanistischen Dokuments" zitieren.

«Die Humanisten sind Männer und Frauen dieses Jahrhunderts, dieser Epoche. Sie erkennen den historischen Humanismus als Vorläufer an und lassen sich von den Beiträgen verschiedenster Kulturen inspirieren, nicht nur von den Kulturen, die in diesem Augenblick eine zentrale Rolle spielen. Sie sind überdies Frauen und Männer, die dieses Jahrhundert, dieses Jahrtausend hinter sich lassen und sich in eine neue Welt projizieren.
Die Humanisten spüren, dass sie eine lange Geschichte hinter sich und eine noch weiter reichende Zukunft vor sich haben. Sie denken an die Zukunft, indem sie für die Überwindung der gegenwärtigen globalen Krise kämpfen. Sie sind Optimisten, die an die Freiheit und an den sozialen Fortschritt glauben.
Die Humanisten sind Internationalisten: Sie streben eine universelle menschliche Nation an. Sie haben ein globales Verständnis der Welt, in der sie leben, während sie in ihrem direkten Umfeld handeln. Sie wünschen sich keine uniforme Welt, sondern eine vielfältige Welt: vielfältig in den ethnischen Gruppen, den Sprachen und den Sitten; vielfältig in den örtlichen Gegebenheiten, den Regionen und den Selbstverwaltungsgebieten; vielfältig in den Ideen und in den Bestrebungen; vielfältig in den Weltanschauungen, im Atheismus und in der Religiosität; vielfältig in der Arbeit; vielfältig in der Kreativität.
Die Humanisten wollen keine Herren, sie wollen keine Führer, sie wollen keine Bosse. Ebenso wenig fühlen sie sich als Vertreter oder Bosse von irgendjemandem. Die Humanisten wollen weder einen zentralistischen Staat noch einen Parallel-Staat, der diesen ersetzt. Die Humanisten wollen weder Polizeiheere noch bewaffnete Banden, die an deren Stelle treten.
Aber zwischen diesen humanistischen Bestrebungen einerseits und der Realität der heutigen Welt andererseits ist eine Mauer entstanden. So ist der Augenblick gekommen, diese Mauer niederzureißen, und dazu ist die Vereinigung aller Humanisten dieser Welt notwendig.»